24 Stunden Übung der Jugendfeuerwehr Mittelstetten, Baindlkirch und Althegnenberg

Um 18 Uhr geht der Handyalarm, die Jugendlichen der Freiwilligen Feuerwehr Baindlkirch, Mittelstetten und Althegnenberg bekommen folgendes zu lesen: “THL 3 P Klemm” Die Aufregung war groß, in Windeseile hatten sich die Jugendlichen in ihrem Feuerwehrhaus umziehen müssen, damit es schnell zum Unfall gehen konnte. Dort angekommen, waren Althegnenberger und Baindlkirchner Jugend schon vor Ort und haben sich eine Orientierung über die Lage verschafft. Die Mittelstettener Jugend hatte ein Spineboard als ergänzende Rettungsmöglichkeit dabei. Zwei Gruppenführer arbeiteten mit ihrer Gruppe unterschiedliche Wege der Rettung aus. Ziel war es, die verletzte Person aus dem Auto zu befreien, doch schnell mussten die Jungen und Mädchen der Jugendfeuerwehren lernen, dass nicht immer gleich der erste Plan funktioniert.

 

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Erstes Hindernis war der Zugang in das Auto, denn die Türen waren verschlossen, der Schlüssel brach ab und die eingeschlagenen Autoscheiben ermöglichten lediglich eine Erstversorgung des Verunfallten. Nachdem die Zentralverriegelung entsperrt wurde, galt es den Patienten möglichst rückenschonend zu bergen, doch mit dem Spineboard in eine A-Klasse zu gelangen, stellte die Gruppe vor die nächste Herausforderung. Spreizer und Schere hatten sie nicht zur Verfügung und der Zugang über den Kofferraum war auch nicht möglich. Nachdem das Spineboard mehrfach durch die Seite quer über die Rückbank an den Patienten angelegt wurde, dies aber immer wieder nicht so recht funktionierte, wurden die harten Geschütze ausgepackt. Mit der Säbelsäge schnitt man kurzerhand die Mittelkonsole heraus, die Sitze wurden bis zum Anschlag nach hinten gekurbelt und in Teamarbeit schaffte es die Gruppe den Patienten an den Rettungsdienst zu übergeben.


Daraufhin erfolgte eine kleine Einweisung der Jugendfeuerwehr in das Spineboard, da nur die Mittelstettener im Besitz eines solchen sind. Natürlich ließen es sich die Jugendlichen nicht nehmen, ihr Opfer, welches ein Jugendwart spielte, ein wenig zu “foltern”, indem sie ihn auch kopfüber und mit dem Gesicht zur Straße gerichtet transportierten. Immerhin muss ja überprüft werden, ob die Spinne (Gurtsystem) wirklich so stabil ist wie noch vor ein paar Minuten gelehrt wurde.

Nach einem leckeren Abendessen, durften die Jugendlichen das Einsatzfax zu ihrer Alarmierung sehen und lernten mit diesem, wie sie zukünftig Informationen aus dem Dokument erhalten können. Daraufhin folgte eine Einsatznachbesprechung und die Jugendlichen hatten die Möglichkeit einen Film zu sehen, doch sie zogen es vor, mit dem Halligan-Tool am Unfallfahrzeug zu üben. Während die Jungen und Mädchen in der A-Klasse ihre Energie herausließen, überraschte sie um 21 Uhr der nächste Alarm.


Blitzschnell zogen sich alle an und verteilten sich auf die drei Fahrzeuge. Der nächste Einsatzort war ein Hof, aus dessen Stallung der Rauch drang. Die Alarmierung verriet, dass es sich um einen B3 handelte und sich Personen noch im Gebäude aufhielten. Zwei Gruppenführer sorgten dafür, dass ihre Mannschaft eine Wasserversorgung aufbauen und der Innenangriff sowie Personenrettung vorgenommen werden konnte. Sehr schnell wurde ein Mann, der bei Bewusstsein war gefunden, doch dessen Rettung gestaltete sich schwierig, da er immer wieder in das verrauchte Gebäude rannte. Nachdem die Einsatzkräfte dies unter Kontrolle bringen konnten, galt es eine weitere Person zu finden, doch diese flüchtete in den Heuboden. Schnell war klar, dass die Person nur über eine Leiter gerettet werden konnte. Diese konnte mittels Rettungsknoten über die Leiter aus dem Rauch gebracht werden.


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Wieder am Feuerwehrhaus angekommen, erwartete die Kinder ein wärmendes Lagerfeuer und leckeres Stockbrot. Die Jugendlichen und Jugendwarte ließen dabei den Abend ausklingen und um 22 Uhr kehrte die Nachtruhe ein. Alle machten es sich in ihren Schlafsäcken gemütlich und versuchten ein wenig Schlaf zu bekommen, was nach so einem ereignisreichen Tag nötig war.


6:30 Uhr: Die Jugendlichen wurden von der Alarmierung “B 2 Brand freie Fläche” geweckt. Schlaftrunken stolperten sie aus ihren Schlafsäcken und sprangen in die Einsatzkleidung. Im Morgengrauen ging es Richtung Mittelstetten, wo ein echtes Feuer auf sie wartete. Nachdem wieder zwei Gruppenführer den Aufbau einer Wasserversorgung delegierten, konnte das Löschen beginnen. Mit Hilfe einer Wärmebildkamera konnten Glutnester ausfindig gemacht werden. Nach dem Auseinanderziehen des noch glühenden Holzstapels wurden die gefundenen Glutnester gelöscht. Nach nicht allzu langer Zeit konnte der Rückbau vorgenommen werden und die Jungen und Mädchen haben ihren ersten echten Brand löschen dürfen.


Bei der darauffolgenden Nachbesprechung durften die Jugendlichen um acht Uhr ein Frühstück im Feuerwehrhaus Mittelstetten zu sich nehmen. Man konnte beobachten, wie die Lebensgeister langsam wieder in die jungen Menschen zurückkehrten und auch die Jugendwarte waren nach ihrem Kaffee gleich wieder fitter.


Die beim Löschen dreckig gewordenen Schläuche wurden nach dem Frühstück mit einer Schlauchwaschanlage gereinigt und zum Trocknen aufgehängt. Die Jugendlichen lernten, dass auch die Schlauchpflege zum Feuerwehralltag dazugehört.


In einem Konvoi aus drei Feuerwehrfahrzeugen folgte um zehn Uhr dreißig ein Ausflug nach Mering. Dort durfte sich die Jugend eine deutlich größere Feuerwehr ansehen und erhielt eine Führung durch deren Fuhrpark. Als Krönung durften sich der Feuerwehrnachwuchs in schwindelerregende Höhen begeben, indem sie auf der Drehleiter die Aussicht genossen.

Die Uhr zeigte mittlerweile Mittag an und wir traten den Rückweg in das Baindlkirchner Feuerwehrhaus an. Dort wartete bereits eine Bestellung von dem Restaurant mit den großen gelben Buchstaben und zum ersten Mal in diesen zwei Tagen kehrte vollkommene Stille ein. Lediglich ein genussvolles Schmatzen war hier und da zu vernehmen.

 

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Frisch gestärkt nach dem Mittagessen ging es an die Fahrzeugpflege und die Einsatzfahrzeuge wurden wieder vorbereitet für die  nächste Alarmierung.


Diese ließ nicht lange auf sie warten. Um 14 Uhr klingelten die Handys und man konnte ablesen: . Es ging wieder nach Mittelstetten, wo die Jugendlichen zunächst eine Einweisung im Fenster- und Türöffnungssatz bekamen. Anschließend durfte sich jeder und jede darin üben, die Fenster von außen zu öffnen. Nach dem lehrreichen Unterricht wurde es wieder ernst und der Einsatz wurde wieder aufgegriffen. Die Jugendlichen mussten sich einen Zugang zum Haus verschaffen, um anschließend eine Person zu bergen. Es dauerte nicht lange und dann meisterten sie auch diese Aufgabe.


Die Jugendlichen erhielten keine Zeit zum Durchschnaufen, sobald der Einsatz beendet war. Folgte um 15:45 Uhr die nächste Alarmierung: “THL 2 Person in Grube”. Am Einsatzort angekommen, fanden die Mannschaften eine eingeklemmte?Person in einem leeren Maissilo vor. Sie nutzen eine Leiter und eine Feuerwehrleine, um durch die?Hebelwirkung einen schweren Baumstamm von der Person zu heben. Die Jugendwarte waren begeistert von dem Einfallsreichtum, denn wie sie in der Einsatznachbesprechung später zugeben sollten, wären sie selbst nicht auf die Idee gekommen. Als die Person befreit war, wurde sie mit Hilfe eines Tragetuches aus dem Silo geborgen und an den Rettungsdienst übergeben.


Wieder am Feuerwehrhaus angekommen, erlaubte sich die Jugendwarte einen kleinen Spaß und ließen die Jungen und Mädchen für ein Gruppenfoto aufstellen. Dabei wurden sie  von oben mit Wasser übergossen. Mit dieser Abkühlung an diesem doch sehr heißen Tag verabschiedeten sich die Jugendwarte von ihren Schützlingen und die 24-Stunden-Übung fand ihr Ende.

 

Mück Stefan
Kommandant
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Einsatzwesen
FW Mittelstetten
Mobil: 0152/29942162